KRANIOTOMIE UNTER LOKALANÄSTHESIE UND SEDIERUNG

Bei den meisten Gehirntumoren bietet eine gruendliche Operation die beste Moeglichkeit der Heilung oder langfristigem Ueberleben. Die chirurgische Annaeherung kann in einigen Faellen sehr schwierig sein. Andere wiederum sind einfacher, koennen aber in oder in der Naehe von eloquenten Gehirnbereichen liegen, die die Sprache, das Verstaendnis, die Empfindlichkeit und die Bewegung kontrolieren.

Was kann dann getan werden? In einigen Faellen ist eine chirurgische Entfernung, bei der der Patient wach ist (Wachkraneotomie), eine Alternative. Diese Operation ist nur fuer Verfahren empfohlen, die wirklich so ein hohes Risiko neurologischer Folgen haben, das uns wiederum zwingt, entweder dieses Risiko zu akzeptieren, eine Teilentfernung vorzunehmen oder eine Wachkraneotomie zu waehlen, die uns erlaubt, den neurologischen Zustand des Patienten waehrend der Operation besser einschaetzen zu koennen.

WAS BEDEUTET “LESION IN ELOQUENTEN GEHIRNBEREICHEN”?

Eloquenten Gehirnbereichen

Manche Gehirnlesionen befinden sich in Bereichen, die wichtige Funktionen wie Empfindlichkeit, Bewegung, Sprache und Ver-staendnis steuern. Das sind die so genannten eloquenten Gehirnbereiche.

Eine Lesion in einem dieser Bereiche verursacht normalerweise schon zur Zeit der Diagnose neurologische Symptome: Sprachdefizit, Gehoer-schwierigkeiten, Arm- und/oder Beinparalyse (Taubheitsgefuehl), etc.

Das Problem kann auch noch schlimmer sein, wenn die optimale Behandlung die Chirurgie ist. Das Risiko sind neurologische Folgen, die bei 80-95% der unter Vollnarkose operierten Patienten auftreten.

Eloquenten Gehirnbereichen

Dabei taucht folgende Frage auf: wenn die beste Behandlung die Chirurgie ist, was kann dann getan werden, um neurologische, post-operative Defizite zu vermeiden oder wenigstens zu verringern?

WELCHE MOEGLICHKEITEN CHIRURGISCHER BEHANDLUNG HABE ICH DANN?

Gliom im motorische Gehirnbereiche
Wenn herausgefunden wird, dass eine Lesion, die durch eine chirurgische Intervention behandelt werden muss, in einem eloquenten Gehirnbereich liegt, gibt es zwei Moeglichkeiten. Zum einen kann man bevorzugen, erstmal eine genaue pathologische Diagnose zu erhalten, bevor man sich fuer oder gegen eine Behandlung (normaler-weise Strahlentherapie) entscheidet. Ausserdem kann eine Gehirnbiopsie durchgefuehrt werden, normaler-weise eine stereotaktische Operation. Diese Biospie ist allerdings nur eine diagnostische Massnahme, keine therapeutische.

Gliom im motorische Gehirnbereiche

Die zweite. Moeglichkeit ist, mit einer chirurgischen Behandlung anzu-fangen: der Kraneotomie. Das entnommene Gewebe wird ebenfalls analysiert, um eine pathologische Diagnose zu erhalten und die weitere Behandlung wie Chemo-, Immuno- oder Stahlentherapie zu plannen.

Diese Operation hat eine hohes Risiko neurologischer Defizite. Der Chirurg kann eine Teilentfernung unter Vollnarkose vornehmen. Dadurch, dass er nur das entfernt, was weiter von den eloquenten Gehirnbereichen entfernt liegt, versucht er neurologische Neben-wirkungen zu vermeiden. Falls aber ein Teil der Lesion zurueckgelassen wird, und sei er noch so klein, muss ein Anstieg der Rueckfalls-moeglichkeit einkalkuliert werden.

Falls eine komplette Entfernung bevorzugt wird, ist die exakte, intraoperative Identifikation der Lesion und ihrer anatomischen Verbindungen, sowie die intra-operative neurologische Kontrolle der riskierten Gehirnfunktionen die ausgewaehlte Methode. Der beste Weg, um dies zu erreichen, ist die Wachkraneotomie.

KOENNEN NEUE TECHNIKEN MICH DAVON ABHALTEN WAEHREND DER OPERATION WACH ZU SEIN?

Die aktuellen Methoden zur Sichtbarmachung (spiral  Computer-tomografie, Roentgenbilder, usw.) geben uns ein sehr genaues Bild der Gehirnlesionen.

Neue optische Techniken wie das chirurgische Mikroskop mit ein-gebautem Neuronavigationsgeraet (NC-4 System) verbinden all diese Bilder, wodurch man die Lesion am einfachsten erreicht.

Es ist auch moeglich, die Operation innerhalb des offenen Roentgen-saales durchzufuehren. Dadurch kann waehrend der gesamten Opertion immer ein aktuelles Nervenbild erhalten und der Umfang der Entfernung bestaetigt werden.

Aber es besteht weiterhin die Herausforderung, die Gehirn-funktionen zu riskieren. Der beste neurologische Test ist eine klinische Auswertung, fuer die der Partient wach sein muss.

Wir koennen sensor-motorische Funktionen durch intraoperativ hervorgerufenes Potential sichtbar machen. Wie auch immer, um Gehirnbereiche, die mit Sprache und Verstaendnis in Verbindung stehen, identifizieren und auswerten zu koennen (Broca- und Wernicke-bereiche), ist es am besten, die Operation durchzufuehren waehrend der Patient wach ist. Fuer diese Operationen benoetigt man ein sehr qualifiziertes Team und die Kooperation des Patienten, aber in unseren Haenden haben sie die besten Ergebnisse.

Patienten während Kraniotomie unter Lokalanästhesie und Sedierung
Patienten während Kraniotomie unter Lokalanästhesie und Sedierung


WELCHES RISIKO-NUTZEN-VERHAELTNIS BIETET DIE WACHKRANEOTOMIE gegenueber VOLLNARKOSE?

Vollnarkose bietet immer eine bessere Kontrolle der moeglichen intraoperativen Komplikationen (Blutungen, epileptische Anfaelle,  Gehinsauerstoffreduktion, Hsuten), weshalb sowohl der Neurochirurg als auch der Anae-stesist diese bevorzugen. Wenn aber das Risiko neurologischer Nebeneffekte hoch ist, akzeptiert man entweder dieses Funkions-risiko, oder ein Teil des Tumors muss zurueckgelassen werden.

Wenn das Verfahren im Wach-zustand durchgefuehrt wird, unter oertlicher Betaeubung und Sedation, koennen wir durch kontinuierliche neurologische klinische Auswertung die riskierten Funktionen intra-operativ kontrollieren. Dadurch koennen wir mehr unter kleinerem neurologischem Risiko neuro-logischer Defizite entfernen.

Der Anaesthesist, welcher in Neuro- anaesthesie traeniert und spezielles Wissen ueber diese Operationsart haben muss, wird waehrend der gesamten Operation dem Patient zur Seite stehen, seine Lebenszeichen kontrollieren und kontinuierlich die riskierten Funktionen auf dem Monitor sichtbar machen.

WIE WIRD DIE OPERATION ABLAUFEN?

Am Tag vor der Operation wird der Patient eine Vorbesprechung ueber die Anaesthesie mit dem Anae-sthesisten haben, der dadurch Informationen ueber die medizi-nische und operative Geschichte und den physischen und neuro-logischen Zustand erhaelt.

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